Der Heilbrunnen



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Anno 1680 zog ein abgedankter Soldat namens Andreas Bergmüller durch Weihenzell. Wohl eher zufällig kam er durch das armseelige Bauerndorf, denn vermutlich war er auf den Weg in seine oberpfälzische Heimat. Jener Soldat aber hat Weihenzeller Geschichte geschrieben.Der Soldat litt der Überlieferung nach an Krätze und Engbrüstigkeit. Als er zum Anwesen Dorer (heute Kernstock, Am Eichenberg) kam, wusch er sich in einer Quelle und trank auch davon. Daraufhin ging es ihn stündlich besser- und schließlich war er nach nur wenigen Tagen ganz geheilt. Nachdem einige Bürger des damaligen Bauerndorfes, die an Asthma, Wassersucht und Lähmungen litten, ebenfalls von dem Wasser tranken, waren sie in kürzester Zeit auf wundersame Weise von ihren Leiden befreit. Der bedauernswerte Soldat Bergmüller und einige Dorfbewohner hatten eine Heilquelle entdeckt. Zufällig. Die Kunde von den Wunderheilungen erscholl bald in nah und fern. Kurgäste kamen nach den Überlieferungen bis von Straßburg, der Pfalz und Sachsen. Schließlich zählte man bis zu 1.200 Personen täglich, die sich vom Brunnen Heilung ihrer Leiden versprachen. Die Quelle wurde eingefaßt und überbaut, um das Wasser sauber und rein zu erhalten. In Gegenwart des Generalsuperintendenten Gottfried Händel und vieler Tausender Menschen wurde die Quelle auf Geheiß des Markgrafen schließlich feierlich eingeweiht.



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„Es geschahen Wunderwerke, indem Blinde sehend, Taube hörend, Lahme gehend und viele gebrechliche Leuthe mehr gesund wurden", so schreibt der markgräfliche Leibmedicus Joh. Laurentius Laelius in einem Buch. Die Kuren waren offenbar in kürzester Zeit sehr erfolgreich.
Der starke Verkehr am Gesundbrunnen veranlaßte Markgraf Johann Friedrich im September 1680 eine Brunnenordnung zu erlassen die 50 Paragraphen umfaßte. Darin wurde zunächst den Wirten zur Pflicht gemacht, "gottesfürchtigen, ehrlichen, frommen, getreuen und willigen Gesindes sich zu befleißigen, damit die Gäste und einkehrenden Fremde nicht geärgert werden". Den Gastgebern war aufgetragen, täglich dem „Bronnen-Schreyber“ anzuzeigen, wer und wie viele Personen in Häusern und Stadeln einlogiert waren und woher sie kamen. Gegen Überforderung der Gastgeber für das Quartier waren die Fremden durch mehrere Bestimmungen geschützt, aber auch die Gäste waren angehalten, „stets daran zu denken, daß sie bloß zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit sich zum Wunderbronnen begeben haben". Den Wirten wurde empfohlen, ihre Küchen und Kammern „mit guten, gesunden und frischen Viktualien, weißem und Schwarzen Hausbrot und die Keller mit reinem, unverfälschtem, altem roten und weißen Weine sowie rotem und weißem Bier, die Böden der Ställe mit Hafer, Heu und Streu bezeiten zu versehen".  
Der Verkehr am Brunnen war in allen Einzelheiten durch eine Brunnen- und Badeordnung geregelt. „Zugelaufene faule und unnütze Gesellen“ sollten beim Brunnen nicht geduldet werden, dagegen aber „wohlbedürftigen und nothleidenden Armen, die ihre Gesundheit ernsthaft suchen, aus dem gesammelten Opfergeld mit einem Almosen bedacht werden". Es wurde bestimmt, daß ein Bad nicht mehr als „vier gute Kreutzer" kosten dürfe um kostendeckend zu wirtschaften. Durch ein Glockenzeichen wurde bekanntgegeben, daß der Brunnen geöffnet und zum Abholen des Wassers alles bereit sei. Im Laufe der Jahre wurde eine Abnahme der Heilkraft des Wassers festgestellt, die Ergebnisse einer Untersuchung ergaben schließlich gewöhnliches Wasser mit wenig Schwefelgehalt. Die Quelle ist heute noch vorhanden, das Wasser aber ungenießbar.